"Abgesong vom allerletzten Jid"
Biermanns Vortrag des Poems von Katzenelson ergriff alle tief
(von Bernd Durstewitz) Nordhorn. "Wie kann ich singen, aus zertretener Kehle kommt kein Laut." Als Wolf Biermann im "Literaturforum" nach gut zwei Stunden seit Rezitat beendete, war minutenlangs Schweigen. Im KTS hörte mannur das leise Summen der Lautsprecheranlage. Katzenelsons großes Erzähl- und Klage-, Schrei- und Zorngedicht war wie eine Klagemauer hochgewachsen und hatte die Söhne und Enkel der "uniformierten Herrenmenschen" von einst tief verstört. Jeder im Publikum wußte und konnte doch nicht fassen, immer noch nicht und immer wieder nicht fassen: was Deutsche den Juden und anderen getan. Katzrnelson: "Ihr schlachtet hin ein Volk / das wehrlos seine Blicke hoch zum Himmel schickt. Ach ihr / das könnt ihr eben nicht: NICHT morden. Denn ihr kommt / schon aus dem Mutterleibe mit dem Schwert," Haben wir inzwischen aus den Schwertern Pflugscharen geschmiedet? Katzenelson hatte allen Grund der Erde für Zorn, Ungerechtigkeit und Rache.
Jizchack Katzenelson, Lehrer und Dichter aus Weißrußland, in Auschwitz ermordet, schrieb Theaterstücke und Gedichte auf Hebräisch. Den "Großen Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk", 1944 ins Deutsche Gedicht von Wolf Biermann, schrieb Katzenelson in wenigen Monaten 1943 / 44 im KZ Vittel im Elsaß nieder, nicht in der heiligen Sprache, sondern in seiner mameloschn, seiner Muttersprache, dem Jiddischen, einer ursprünglich im Kern deutschen Sprache mit hebräischen Schriftzeichen: "Dos lied vunem ojsgehargtn jidischen volk." In 15 Gesängen mit 225 über Kreuz gereimten Strophen zu vier Versen, die von Gesang zu Gesang länger werden, stellt der Dichter, wie Biermann sagt, beider dar: "---die Hilflosigkeit der überrumpelten und getäuschten Opfer, aber eben auch den heldenhaften Widerstand der Ghettokämpfer." Für den Kongenialen Übersetzer widerlegt Katzenelson in der Form des großen Epos die doppele Auschwitzlüge: zum einen die Lüge, den Völkermord hätte es gar nicht gegeben, und zum anderen – von dummer Widersprüchlichkeit – die Lüge, die Juden hätten sich wie Kälber widerstandslos abschlachten lassen.
Biermann führte zunächst sehr ausführlich in das Leben und Werk Katzenelsons ein. Er tat das in der ihm eigentümlichen Mischung aus Nähe und Distanz, aus schnodderigkeit und Pathos, aus Understatement und Wahrheitsanspruch. Die Gitarre bot mit typischen Biermann-Akkorden und -Läufen jeweils eine kurze Ruhephase der Muskelentspannung an. Die brauchte das Publikum. Denn die man emphatisch, mal kontrapunktisch vorgetragenen Passagen aus dem Epos über das Warschauer Ghetto waren so beschaffen, dass sie Atem und Puls steuerten.
Am Anfang des Poems steht der quälend-befreiende Zwang zum Sagenmüssen. Die Trauer und Scham über die Juden, die sich, um ihre Haut zu retten, von Nazis als Hilfspolizisten und Spitzel anwerben ließen, kommentiert der Dichter so: "Auf ihren Mützen sahn die Davidsterne schon wie Hakenkreuze aus." Die täglich erst 6000, schließlich 15000 Juden in den Gastod nach Treblinka abtransportierenden Viehwaggons; die verzweifelt-hilflose Rolle des den Mördern helfenden Judenrats; Warschau einst zum Jom Kippur; das heldenhafte Elend der Kinder; die Besudelung der Synagoge und des Rabbiners durch kotzenerregende Deutsche; der wütende Zweifel an der Existenz Gottes; das Gedenken an die geliebte Frau Chana; schließlich der befreiende Aufstand der Chaluzím, junger Widerstandskämpfer mit wenigen Waffen, die den Mördern die erschrocken-röchelnde Erkenntnis entlocken: "Die Juden schießen ja!" Auch wenn es den Tod der letzten Juden nicht verhindern kann, den Aufstand bejubelt Katzenelson wie eine Erlösung.
Was für ein aufwühlender Abend! Über die Hälfte der KTS-Sitzplätze war frei geblieben. Frei von Erregung, Trauer und Scham.
Als Mietkünstler geh ich verwerten mein Lied, verdiene in Konzertem mehr als ich mehr als ich grad so brauch an Geld. Ein Misthaufen, wo er auch stehet wenn nur der richtige Hahn drauf krähet,ist ja das Zentrum dieser Wert.
Für Brigitte, die Sonde im Misthaufen und für Reinhard der Hahn auf dem Misthaufen in Nordhorn vom vorüberflatterden gast-Hahn.
Leewe Müllers,
platt könnt ji nicht, darum in Hoch: vielen Dank für die schönen Tage in Eurem Hause, große Liebenswürdigkeit, perfekter Service, leckeres Essen ... und auch noch toller Sonnenschein.
Die plattdütsche Talkshow "Talk op Platt" ut Nordhorn. N3
Vielen Dank, dass Ihr uns Eure Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt habt! Und wir hoffen, daß Ihr keine Unannehmlichkeiten durch uns hattet! Bis dann.
Font de Moras Nebenbeschäftigung beim Training auf dem Sparta-Platza Tennis – Anne-Lena Grönefeld übt mit Bruder Bastian Nordhorn / KRO – Besucher der Sparta-Tennisanlage in Nordhorn kamen am Mittwoch am frühen Nachmittag unverhofft etwas Besonderes geboten. Anna-Lena Grönefeld, die Nummer 16 der Weltrangliste, übte auf dem Gelände ihres Heimatvereins mit Bruder Bastian und ihrem Trainer Rafael Font de Mora. Bei einer lockeren Einheit, bei der es dennoch durchaus ernsthaft zuging, stand bereits die Vorbereitung auf das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon im Mittelpunkt.
90 Minuten lang dirigierte Rafael Font de Mora Anna-Lena und Bastian Grönefeld, der gerade von einem Bänderriss genesen ist und zumeist den Part der "Ballmaschine" übernahm, auf dem Sparta-Platz. So ganz war der Coach der deutschen Nummer eins aber auch nicht bei der Sache: immer wieder machte der Spanier sich kurzzeitig aus dem Staub, um einer Nebenbeschäftigung nachzugehen. Er huschte ins Clubhaus und sah nach, wie sich seine Landsleute beim Spiel der Fussball-Weltmeisterschaft gegen die Ukraine aus der Affaire ziehen.
Klar, das Font de Mora immer mit blendender Laune auf den Platz zurückkehrte, schließlich fertigten Fernando Torres und Co. die Ukrainer in überzeugender Manier mit 4:0 ab. Das allerdings sorgte nicht allein für Erheiterung beim Coach von Anna-Lena Grönefeld. ...
Der Ball gehorchte nicht nur dem Schläger: Anna-Lena Grönefeld jonglierte die kleine Filzkugel beim Training auf dem Sparta-Platz gekonnt mit dem Fuß.